ADFC Münsterland und Interessengemeinschaft Fahrradstadt Münster begrüßen Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht an der Wolbecker Straße

Am Dienstag, den 26.05.2020, haben der ADFC und die IG Fahrradstadt gemeinsam die Wolbecker Straße zwischen Servatiiplatz und Hansaring mit unterschiedlichsten (Lasten-)Fahrrädern befahren. Anlass war, die dortige Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht zu begrüßen und andere Verkehrsteilnehmerinnen darauf aufmerksam zu machen, dass Fahrräder ab sofort auch die Fahrbahn mitbenutzen dürfen.
Der ADFC und die IG Fahrradstadt bemängeln bereits seit vielen Jahren, dass der schmale Radweg an der Wolbecker Straßezu den ausgesprochen unfallträchtigen Radwegen in Münster gehört. Besonders viele Schwerverletzte gab es auf diesem Abschnitt bei Unfällen zwischen Radfahrerinnen und Fußgängerinnen, da auch der Gehweg zu schmal für den hohen Fußverkehr ist, entlang dervielen, teils hochfrequentierten Geschäfte und Restaurants. Die beiden Fahrrad-Interessenverbände teilen daher die Einschätzung der Polizei Münster, dass die jetzigen Radwege an der Wolbecker Straße eher kontraproduktiv für die Verkehrssicherheit seien.
Die StVO sieht eine Radwegebenutzungspflicht nur ausnahmsweise bei einer besonderen, örtlichen Gefährdungslage vor. Diese für eine Radwegebenutzungspflicht notwendige Gefährdungslage ist spätestens 2019 mit der Temporeduzierung auf 30 Km/h weggefallen. Bei Tempo 30 ist es aus Sicht des ADFC und der IG Fahrradstadt für Radfahrerinnen an der Wolbecker Straße sicherer, die Fahrbahn zu nutzen als den mangelhaften Radweg. Insbesondere die Trennung von Radverkehr und Fußverkehr sowie die besseren Sichtbeziehungen zum Kraftverkehr tragen hierzu erheblich bei.
Um mögliche Konflikte zu vermeiden und über die Neuregelung aufzuklären, ist eine Umsetzung begleitender Maßnahmen förderlich. “Wir fordern von der Stadt Münster hier zeitnah tätig zu werden und für eine Eingewöhnungsphase Schilder aufzustellen, die auf die geänderte Benutzungspflicht aufmerksam machen.” so Joachim Bick von der IG Fahrradstadt.
Besonders erfreut sind beide Interessenverbände darüber, dass sich die Verwaltung bei der Umsetzung der Maßnahme an das „Radverkehrskonzept -Münster 2025“ gehalten hat: Die Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht an der Wolbecker Straße und die jetzt umgesetzte „duale Führung“ wurde im Jahr 2016 auf Antrag von CDU und Grünen explizit als Maßnahme in das neue Radverkehrskonzept der Stadt aufgenommen.
Der Abschnitt der Wolbecker Straße wird schon heute mit durchschnittlich etwa 11.000 Radfahrerinnen pro Tag von deutlich mehr Fahrrädern als Autos befahren. Die jetzige Aufteilung des Straßenraums an der Wolbecker Straße trägt dieser Nutzungsaufteilung jedoch nur unzureichend Rechnung. Die Stadt Münster wird daher für diesen Abschnitt der Wolbecker Straße noch dieses Jahr ein Bürgerdialogverfahren zur Neuaufteilung des Straßenraums durchführen. ADFC und IG Fahrradstadt werden sich hier für deutliche Verbesserungen zugunsten von Radfahrerinnen und Fußgänger*innen einsetzen. Wir gehen davon aus, dass sich damit nicht nur die Verkehrssituation verbessern wird sondern auch die Wolbecker Straße, als städtischer Raum, an Lebensqualität gewinnen wird.

Gegen jede Abwrackprämie und den Ausbau der B51

Wir dokumentieren hier die Rede, die Konstantin heute für uns aus diesem Anlass gehalten hat:

Liebe Menschen hier auf dem Stubengassenplatz. Ich bin Konstantin von der Interessengemeinschaft Fahrradstadt Münster. Wir setzen uns in Münster seit mehreren Jahren dafür ein, dass Münster die Transformation von einer Autostadt zu einer Fahrradstadt endlich mal angeht.
Aktuell wird darüber diskutiert, die rückschrittliche deutsche Automobilindustrie durch eine wieder Auflage der Abwrackprämie noch ein paar weitere Jahre am Leben zu erhalten. Eine Industrie, die sich nicht mal auf die Illusion eines zukunftsfähigen Geschäftsmodells in Form von E-Antrieben einlassen kann, soll weiter gefördert werden? Wir lehnen das ab. Eine Wirtschaftsförderung muss enkeltauglich sein. Ein Beharren auf alten Technologien und Vorstellungen, kann nicht die Lösung für die aktuellen und zukünftigen Probleme sein.
Für uns als Interessengemeinschaft Fahrradstadt Münster, sind aber die lokalen Vorgänge besonders interessant.
Insbesondere in der aktuelle Corona Krise, in der das Halten von ausreichend Abstand richtig und wichtig ist, wird den krisenfestesten und nachhaltigsten Bewegungsformen, diese Möglichkeit verwehrt. Weder auf den Radwegen noch auf den Fußwegen, wird den Menschen der notwendige Platz gelassen, um Abstand zu halten. Die Stadt hat leider die Chancen vertan. Wünschenswert wäre es gewesen, das Auto insbesondere in den Zeiten der Krise, aus Straßenzügen auszusperren, um den Menschen den Platz zurückzugeben, den sie brauchen, um ausreichenden Abstand zu halten.
Der Verkehrspolitische Sprecher der CDU-Ratsfraktion in Münster, Walter von Göwels, kritisiert in der WN aktuell die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht auf der Wolbecker Straße. Es dürfe laut seiner Aussage bei den Veränderungen nichts „Wuchern, was zusammenwachsen muss“. Er fordert ein schlüssiges Gesamtkonzept.
Im Jahr 2016 hat der Rat dem Radverkehrskonzept 2025 zugestimmt. Es existiert also ein Gesamtkonzept. Leider wird dieses Konzept nur viel zu zaghaft und viel zu langsam umgesetzt. Die Mehrheitsverhältnisse im Rat sind mit dafür verantwortlich, dass die prekären Situationen an der Wolbecker Straße bestehen. Situationen, auf denen über die Hälfte der Breite der Straße, nur für die Fahrbahn für Autos genutzt wird. Auf die andere Hälfte müssen sich dann FußgängerInnen, Radfahrende und Bushaltestellen quetschen. Zusätzlich soll sich Person dann noch nicht so haben, wenn sie einen Menschen, der mit dem Auto den Radweg blockiert darauf hinweist. Die Freigabe der Fahrbahn für Fahrräder ist nur ein logischer Schritt, wenn das Konzept ernst genommen wird. Die Schritte müssen nun viel weiter gehen. Es muss heißen, weniger Autos auf den Straßen, ob parkend oder fahrend. Es muss heißen, asphaltierte und breite Radwege, die keine Radwegbenutzungspflicht brauchen. Denn Radwege, auf denen das Rad-Fahren komfortabel, sicher und zügig möglich ist, brauchen keine Benutzungspflicht. Nur wer Radfahrende Menschen auf ihre in Münster offensichtlich unterprivilegierte Stellung verweisen will, missbraucht dieses Mittel, so wie die Stadt Münster.
Wir fordern aus diesem Grund, dass das existierende Konzept angewendet wird. Das Konzept muss mit Leben gefüllt werden und wo nötig, verbessert werden. Wir wollen nicht wissen ob, sondern wie die Parteien im Rat gedenken, die Autofreie Innenstadt zu verwirklichen. Die Verantwortung für ein Vorankommen in Sachen nachhaltige Verkehrsinfrastruktur darf nicht von der Verwaltung an den Rat und zurückgegeben werden. Es ist notwendig, dass der Rat der Stadt Münster endlich mal mutig voranschreitet und die Verwaltung dazu bringt, dass das Gesamtkonzept realisiert wird. Für diese Umsetzung sind solche Einzel-Maßnahmen natürlich unersetzlich. Sie sind der einzige Weg, die Autos aus der Stadt zu verdrängen.
Wir fordern:
–         Die Umsetzung des Radverkehrskonzeptes 2025 und einen konsequenten Kurs für ein nachhaltiges Mobilitätskonzept in Münster. Wenn der Rat es ernst meint mit dem Masterplan 100% Klimaschutz, darf der Rad- und Fußverkehr nicht als Beiwerk betrachtet werden, sondern in den Mittelpunkt eines jeden Infrastrukturprojektes in der Stadt gestellt werden.
–         Wir fordern eine Verkehrspolitik, die dafür sorgt, dass mehr Menschen auf das Fahrrad steigen. Wer Autoinfrastruktur sät, wird Stau ernten. Wer gute Fahrradinfrastruktur baut, sorgt dafür, dass mehr Menschen mit dem Rad fahren. Die Verbreiterung der B51 sorgt mitnichten dafür, dass dort kein Stau mehr entstehen wird. Sie wird vielmehr dafür sorgen, dass noch mehr Menschen vom Fahrrad auf das Auto umsteigen.
–         Wir fordern eine konsequente Umverteilung des Straßenraums. So dass alle VerkehrsteilnehmerInnen sicher, zügig und komfortabel von A nach B kommen.
–         Wir hoffen auf die Mehrheitsverhältnisse im Rat, die diese Maßnahmen ermöglichen und fordern alle anwesenden Parteien dazu auf, diesen Weg zu unterstützen.
Insofern wünsche ich mir, dass wir alle die neue und Zukunftsweisende Situation auf der Wolbecker Straße nutzen. Lasst den Menschen ohne Fahrrad ihren Raum auf dem Fuß und Radweg und fahrt mit eurem Fahrrad auf der Fahrbahn. Zeigen wir, dass wir als Radfahrende nicht den Verkehr behindern. Wir sind der Verkehr!

Umwege nach Telgte

Am kommenden Mittwoch, 27.11.2019, findet in Telgte ein Vortrag von Prof. Andreas Knie statt. Die Bürgerinitiative B51 Telgte e. V. hat die Veranstaltung organisiert.

Wir nutzen dies zum Anlass, um vor der Veranstaltung zu einer gemeinsamen Anreise einzuladen. Auf dem Hinweg werden wir die geplante Veloroute den geplanten Umweg auf der Routenführung zwischen Münster und Telgte befahren, auf dem Rückweg nach der Veranstaltung fahren wir entlang der B51, gegen deren vierspurigen Ausbau sich die Bürgerinitiative richtet. Zwischendurch wollen wir auf einzelne Planungsfehler und aktuelle Mängel eingehen.

Treffpunkt für die gemeinsame Anreise ist am 27.11.2019 um 18:30 Uhr die Kreuzung Promenade / Hörster Straße. Während der Fahrt könnt ihr uns auf Critical Maps verfolgen und gerne unterwegs dazu stoßen. Die Tour ist für jeden Fitnessgrad geeignet (16km Hinweg, 13km Rückweg). Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Eine Million gute Gründe für bessere Fahrrad-Infrastruktur

Die Zählstation für Radfahrende an der Hammer Straße hat heute die Marke von einer Million Radfahrenden in diesem Jahr durchbrochen*. Aktivisten der Interessengemeinschaft Fahrradstadt Münster haben dies zum Anlass genommen, den Radfahrenden mit motivierenden Sprechchören und Plakaten dafür zu danken, dass sie mit diesem wunderbaren Verkehrsmittel unterwegs sind.

„Eine Million gute Gründe für bessere Fahrrad-Infrastruktur“ weiterlesen

Mit diesen Tricks macht Radfahren mit Rock noch mehr Spaß

Der Sommer kommt, es wird wärmer und unsere Kleidung wird luftiger. Wir von der Interessengemeinschaft Fahrradstadt Münster wollen, dass alle Menschen in Münster sicher, schnell und komfortabel Rad fahren können. Aber wie soll man Fahrradfahren mit Rock oder Kleid, ohne dabei Einblicke Richtung Schlüpper zu gewähren, falls man dies nicht wünscht? Hier findest du zwei Tricks, mit denen du genau dies verhindern kannst. „Mit diesen Tricks macht Radfahren mit Rock noch mehr Spaß“ weiterlesen

Keine Millionen für Kosmetik

Offener Brief an die Vertreter*innen der Stadt Münster und der Parteien im Ausschuss für Stadtplanung, Stadtentwicklung, Verkehr und Wohnen

Sehr geehrte Damen und Herren,

Münster benötigt dringend Investitionen in die Fahrradinfrastruktur. Längst sind die Kapazitäten der Radwege nicht mehr dem Bedarf angemessen, Unfallschwerpunkte wurden noch nicht flächendeckend entschärft und die Situation des Fahrradparkens ist stadtweit herausfordernd. „Keine Millionen für Kosmetik“ weiterlesen

Demo von Kindern für weniger Autos

Folgende Rede hielt Joachim Bick heute bei der von Kindern organisierten Demonstration mit dem Motto „Lasst das Auto stehen, macht das Fahrrad startklar – Demo von Kindern für weniger Autos“:

Hallo Münster! Hallo liebe Kinder aus Münster und hallo liebe Eltern, Großeltern, Kinderlose!

Mein Name ist Joachim Bick und ich gehöre zu einer Gruppe von Menschen, die finden, dass Mobilität in Münster noch viel besser werden kann und muss. Wir nennen uns Interessengemeinschaft Fahrradstadt Münster und haben uns erst vergangenen Donnerstag, also vor drei Tagen, gegründet. Wir sind also in gewisser Weise, so wie ihr auch, jung.

Uns geht es darum, dass weniger Stau, Lärm und schlechte Luft die Menschen in unserer Stadt belasten. Aber wie geht das? Es ist eigentlich ganz einfach: Je besser es durch ein Verkehrsmittel erreicht werden kann, desto mehr sollte dieses Verkehrsmittel gefördert werden. Und wenn man sich die Arten anschaut, wie sich ein Mensch bewegen kann, dann ist schnell klar, welche Reihenfolge es dafür geben muss: zu aller erst Fußgänger, dann Radfahrer, dann öffentlicher Verkehr, dann Taxis, Carsharing und Fahrgemeinschaften und erst ganz zum Schluss private Autos.

Unsere Stadt ist aber nicht so gebaut. Die breiten, gut ausgebauten Fahrbahnen für Autos nehmen den meisten Raum ein. Kreuzungen sind so gebaut, dass vor allem Autos schnell durch sie hindurch kommen. Es gibt fast überall Parkplätze für Autos – und dieser Platz kann natürlich nur einmal genutzt werden. Wo ein Auto parkt, da gibt es keine Bank zum hinsetzen. Da gibt es keinen Baum oder Park. Da gibt es auch keinen Spielplatz und natürlich auch keine Möglichkeit, ein Rad sicher anzuschließen. Durch ein Auto kann man nicht hindurch gucken. Im Durchschnitt stehen private Autos 23 Stunden am Tag unbenutzt rum. Eine Bank, ein Baum, ein Park oder ein breiterer Radweg nützt viel mehr Menschen und das auch für längere Zeit!

Und in der Realität nehmen Autos sogar noch mehr Platz ein, als die Stadt ihnen eigentlich zugesteht. Sie parken überall: auf der Busspur, auf dem Radweg, auf dem Gehweg, auf Flächen, auf denen parken verboten ist, weil dann die Feuerwehr oder Müllabfuhr nicht mehr durch kommt. Und weil Autos so schwer sind und die Modelle auch leider immer schwerer werden, machen sie dabei die Gehwege oder Radwege auch immer ein bisschen kaputt. Das merken dann wieder Fußgänger und Radfahrer, wenn die Pflastersteine eben nicht mehr gerade liegen.

Aber was passiert denn dann mit denjenigen, die sich nicht an die Regeln halten? Gibt es da nicht Menschen, deren Job es ist, sich darum zu kümmern? Ja, die gibt es. Aber es gibt von ihnen zu wenige, wie die Stadt selbst eingesteht, und leider kümmern sie sich auch nicht immer. Und manchmal, da machen sie es sogar selbst nicht richtig.

Wir von der IG Fahrradstadt wollen, dass Radfahrende schnell, komfortabel und sicher an ihr Ziel kommen – und zwar egal, wie alt sie sind. Und dafür müssen vor allem auch Wege und Kreuzungen besser werden. Das bedeutet, dass sie breiter werden, einen besseren Untergrund bekommen und nicht mehr von Autos zugeparkt werden können. Und natürlich muss dieser Platz irgendwo her kommen. Für uns ist klar: die Häuser kann man nicht abreißen. Bäume müssen blieben, weil eine Stadt mit Pflanzen und Bäumen einfach schöner ist. Gehwege dürfen nicht noch schmaler werden. Und da bleibt dann nur der Platz, den aktuell die Autos belegen. Das heißt dann, dass Auto-Parkplätze entfernt werden müssen oder eine Spur für Autos entfernt werden muss. Es gibt keinen anderen Weg.

Auf der nördlichen Hammer Straße zum Beispiel mit ihren vier Spuren für fahrende und stehende Autos könnte man abwechselnd auf einer Seite die Parkplätze entfernen und hätte genug Platz für breitere, geschützte Radwege, auf denen sich zwei Personen unterhalten können und trotzdem keine dritte Person aufhalten, die sie überholen möchte. Manche sagen bei solchen Ideen, dass dann der Einzelhandel darunter leiden würde, aber das ist falsch. Es wurde weltweit vielfach von Wissenschaftlern untersucht und uns ist kein Beispiel bekannt, in dem der Umsatz eingebrochen ist. Im Gegenteil: Radfahrer kaufen zwar weniger ein, wenn sie da sind. Aber sie kommen viel öfter vorbei. Sie können einfacher mal eben abhalten und sie sehen auch viel besser, was in den Schaufenstern steht.

Liebe Kinder: Erwachsene sagen ja so oft, dass Kinder ihre Zukunft wären. Aber sie handeln nicht so. Sie bauen ihre Städte nicht von sich aus um. Glaubt ihnen bitte nicht alles, was sie euch erzählen: sie müssen mit dieser Welt nicht so lange auskommen, wie ihr es müsst.

Ihr müsst mit der bisherigen Inkonsequenz meiner Generation und der Generationen vor mir leben.

Es hilft Menschen in meinem Alter und älteren vielleicht, die Welt aus den Augen eines Kindes zu sehen. Wie sieht da so ein moderner SUV aus? Das ist eine brutal designte Maschine, aggressiv in der Erscheinung, mit bösen Augen. Deren vorderste Front schon höher ist, als ich groß bin. Die so breit ist, dass man noch nicht mal erahnen kann, wie lang sie noch ist. Die so schwer ist, dass auch der stärkste Mensch nicht gegen sie ankommt. Sie sind ein Grund, weshalb der Verbrauch von Benzin in Deutschland steigt und auch mehr Abgas in die Umwelt gepustet wird – obwohl die Motoren effizienter geworden sind. Sie müssten eigentlich viel teurer sein, aber dagegen wehrt sich die Bundesregierung, wie man zum Beispiel sehr schön in einer Ausgabe der Anstalt vom ZDF sehen kann.

Es gibt aber bei all dem, was falsch läuft und leider sogar oft aktuell schlimmer wird, auch viel Hoffnung. Und die seid ihr, liebe Kinder, aber die sind auch alle anderen, die heute hier sind. Wir alle können etwas tun. Wir können unsere Schulen dazu auffordern, dass sie etwas dagegen tun, dass so viele Kinder mit dem Auto gebracht werden. Wir können unseren Eltern sagen, dass wir das auch selbst nicht wollen. Als ich in eurem Alter war, da war es peinlich, wenn jemand mit dem Auto gebracht wird. Da haben die Kinder gefragt: „kannst du nicht laufen?“. Wir können bei der Critical Mass Münster am letzten Freitag im Monat mitfahren. Wir können dem Ordnungsamt immer wieder sagen, dass es sich um Falschparker kümmern soll, durch die wir alle gefährdet oder eingeschränkt werden. Wir können Politikern schreiben oder sie anrufen und auffordern, endlich etwas zu unternehmen. Und wir können selbst Rad fahren – und das geht eigentlich immer, egal wohin man weshalb möchte.
Kurz gesagt: jeder kann sich engagieren.

Dass Demonstrationen und Initiativen für Mobilität funktionieren können, ist übrigens historisch bewiesen. In Holland gibt es nicht so gute Radwege, weil die Regierung und die Städte da irgendwann Lust drauf hatten. Es waren Bürger der Stop de Kindermoord – Initiative, durch die Holland so wurde, wie es heute ist.

Das geht auch in Deutschland und vielleicht beginnt es ja neben dem Radentscheid in Berlin auch in Münster – und vielleicht beginnt es ja mit euch! Bleibt kritisch, sagt eure Meinung, lasst euch nicht einlullen und gebt erst auf, wenn ihr eure Ziele erreicht habt!