Am Freitag, den 18. September, findet am Schlossplatz zwischen Überwasserstraße und Universitätsstraße der diesjährige PARK(ing) DAY statt. Der globale Aktionstag soll zeigen, welches Potenzial darin steckt, bislang von Autos dominierte öffentliche Flächen anders zu nutzen.
PARK(ing) DAY: vielfältiger Einsatz für eine gerechtere Gesellschaft
In Münster kommen dazu nun im achten Jahr in Folge etwa 60 Initiativen zusammen und verwandeln eine laute Straße für einen Tag in einen lebendigen Begegnungsort. „Münster hat eine starke Zivilgesellschaft, die sich in vielfältigen Bereichen ehrenamtlich für eine gerechtere Gesellschaft einsetzt: Antifaschismus, Klimagerechtigkeit, migrantische Selbstorganisation, queere Rechte, Inklusion, Naturschutz, Verkehrswende, Tierbefreiung, bezahlbares und gemeinschaftliches Wohnen und vieles mehr. Beim PARK(ing) DAY kommen alle zusammen“, sagt Eva Kintrup aus dem Organisationsteam des PARK(ing) DAY.
Für den NRW-Tag hatte sich die Stadt Münster herausgeputzt. Wir waren auf der Klima- und Mobilitätsmeile zu Gast und hatten viel Freude und auch einiges an Ärger.
Uns ging es vor allem darum, Menschen für unsere Themen zu sensibilisieren. Wir hatten unseren ausführlichen Artikel darüber, dass die Mobilitätswende möglich ist, zuvor aktualisiert und haben dementsprechend mit großem Banner genau dafür geworben. Am wichtigsten für uns war es, mit den Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch zu kommen, ob über all die Vorteile, die Fahrräder haben, oder über unser Dosenwerfen „Befreie den Radweg/Gehweg“. Natürlich haben wir auch um Unterstützung für das Bürgerbegehren „Kreisel statt Ampel“ sowie für unsere Kampagne „Verkehrswende jetzt!“ geworben.
Für Irritationen nicht nur bei uns, sondern auch bei vielen Besucherinnen und Besuchern, sorgte, dass mitten auf der Klimameile ein Autohaus Werbung machen durfte. Zwar handelte es sich ausschließlich um E-Autos, aber auf einer Klimameile hätte dieser Stand unseres Erachtens nichts zu suchen gehabt:
Unter den ausgestellten Fahrzeugen war kein einziger Kleinwagen
Das Autohaus selbst verkauft und bewirbt auf der eigenen Website Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren
Grundsätzlich ist das Kaufen von Autos klimaschädlicher als die geteilte Nutzung – und die Nutzung größerer Autos klimaschädlicher als die von kleineren
Das Verteilen von Wegwerf-Werbeartikeln per Glücksrad symbolisiert Verhaltensweisen, die überwunden und nicht befördert werden müssen
Ausgerechnet Grünflächen, eine Bushaltestelle und Radwege wurden innerhalb der „Klimameile“ mit den ausgestellten Fahrzeugen beparkt
Mehr als eine kritische Kommentierung blieb uns da nicht. Die Frage ist aber dennoch, wie ernst es eigentlich die Stadt Münster mit dem Klimaschutz meint, wenn sie ausgerechnet ein Geschäftsmodell, was für die größte Krise der Menschheit massiv mitverantwortlich ist, normalisiert. Der öffentliche Raum braucht weniger Autowerbung, nicht mehr.
Eine vollständige Umstellung der heutigen fossilen Übermotorisierung auf E-Übermotorisierung ist nicht klimagerecht möglich, ganz davon abgesehen, dass die Antriebstechnologie nicht das einzige Problem von Autos ist. Bestätigt wurde unsere Kritik zu E-Autos auch kurz nach dem NRW-Tag wieder durch eine Studie der TU München: E-Autos haben im Schnitt nur 41% geringere Emissionen als Verbrenner. Ohne eine massive Reduktion der Fahrzeugflotte verbunden mit einer Abrüstung in Größe und Gewicht der Fahrzeuge verbrennen wir unsere Zukunft.
Verkehrsplanung läuft oft so, als gäbe es nur den einen Standard-Nutzer: Den männlichen Pendler, der morgens von A nach B fährt und abends zurück. Doch die Realität in Münster ist vielfältiger. Wer macht die Einkäufe? Wer bringt die Kinder weg? Wer fühlt sich im Tunnel am Bahnhof unwohl?
Oft wird Verkehrsplanung aus einer rein männlichen Perspektive gedacht. Das wollen wir ändern. Am 19. April laden wir euch in die B-Side ein, um genau darüber zu sprechen: Wie sieht eine gendergerechte Verkehrswende aus? Wir haben geballte Expertise auf dem Podium und wollen mit euch ins Gespräch kommen.
Heute wurde es laut an der Kreuzung Promenade / Windthorststraße – aber auf die friedliche, entschlossene Art. Mit unserer Mahnwache haben wir ein klares Signal an die Stadtpolitik gesendet: Die Zeit der huckeligen Kompromisse ist vorbei. Wir fordern ein Münster, das nach einem menschlichen Maß gestaltet ist, statt nach maximaler Beschleunigung.
Es geht uns nicht um abstrakte Theorie, sondern um den Stress, den viele von uns täglich auf Münsters Straßen erleben. Wir wollen Sicherheit für die Schwächsten und endlich Platz für echte Mobilität.
Das sind unsere Forderungen für Münster 2026: Mehr Sicherheit und Flächengerechtigkeit, bessere Infrastruktur, konsequente Verkehrsberuhigung, verbesserte städtische Strukturen für das Fahrrad und Fahrradkultur stärken.
Was jetzt passieren muss: Wir bleiben dran. Die Mahnwache war der Auftakt, um zu zeigen, dass wir die „Fahrradstadt“-Plaketten allein nicht mehr gelten lassen. Wir brauchen Taten, keine Lippenbekenntnisse.
Münster gilt als Fahrradstadt, doch wer täglich im Sattel sitzt, weiß: Der Lack ist ab. Während andere Städte uns links überholen, stecken wir in veralteten Strukturen fest. Wir haben keine Lust mehr auf Ausreden – wir wollen die Verkehrswende jetzt!
Wir fordern konkrete Taten statt vager Versprechen. Jetzt, in diesem Jahr. Hier sind unsere fünf Kernbereiche für ein lebenswertes Münster:
Mehr Sicherheit und Flächengerechtigkeit jetzt!
Bessere Infrastruktur jetzt!
Konsequente Verkehrsberuhigung!
Verbesserte städtische Strukturen für das Fahrrad!
Fahrradkultur stärken!
Das klingt nach viel? Ist es auch. Aber es ist machbar, wenn wir gemeinsam Druck aufbauen. Ganz besonders freuen wir uns darüber, dass der FUSS e.V. Ortsverband Münster sowie Greenpeace Münster unsere Forderungen unterstützen.
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