Fahrradparken am Hauptbahnhof in Münster – Eine Bestandsaufnahme

Das Flatterband hängt: Ab morgen müssen die Fahrräder auf der Ostseite des Hauptbahnhofs den Baggern weichen. Die Landmarken AG fängt mit der ersten Bauphase der Neugestaltung an, dafür müssen die Fahrradstellplätze abgerissen werden.

Stellplätze auf der Bahnhofs-Ostseite, die ab dem 30.01.2018 wegen der Baustelle entfernt werden

Wir haben uns im Zuge der Info-Veranstaltung (wir berichteten) zur Neubebauung des Areals, die Sachlage mal genau angeguckt und eine Bestandsaufnahme gemacht:

Anzahl der abgestellten Fahrräder im Bahnhofsumfeld (ohne Radstation)

Rund um den Münsteraner Hauptbahnhof stehen, nach unseren Zählungen im Januar, rund 4800 Fahrräder. Hierbei wurden alle Räder gezählt, die an den jederzeit frei zugänglichen Abstellanlagen stehen und alle die „wild“, dh. ohne Abstellanlage, abgestellt sind. Nicht hinzugezählt sind die Räder in der Radstation (da nicht 24/7 zugänglich) und ebenfalls ausgelassen wurden offensichtliche Schrotträder und Fahrradleichen.

Bei unserer Zählung ist aufgefallen, dass der Bedarf an Stellplätzen das Angebot zum heutigen Zeitpunkt schon sehr stark übersteigt.

Gegenüberstellung von Bedarf und Angebot von Radstellplätzen am Bahnhof

 

Mit dem Abriss der weitaus größten Fläche an freien Fahrradstellplätzen am Bahnhof wird sich die Parksituation und das Wildparken im Umfeld, mindestens während der Bauphase, nun noch weiter verschärfen.  Nach Aussage der Stadt in der WN, sollen die zusätzlichen Doppelstockständer am Hamburger Tunnel die wegfallenden Plätze ersetzen. Diese sind jedoch jetzt schon (vor dem Abräumen) so gut wie komplett ausgelastet. Hier stehen ca. 100 freie dem Wegfall von ca. 1800 Stellplätzen gegenüber. Beim WDR hingegen empfiehlt das Ordnungsamt die Räder auch in oder neben der Radstation auf der Westseite abzustellen. Dies entbehrt nicht einer gewissen Ironie, da auf der einen Seite die Radstation seit Jahren voll ausgelastet und an ihrer Kapazitätsgrenze ist. Auf der anderen hat die Stadt genau dort, wo sie scheinbar jetzt empfiehlt die Räder abzustellen, vor wenigen Tagen noch einen neuen Rettungsweg eingerichtet, um in diesem Zuge sämtliche Fahrräder abzuräumen

Auch die Planung des Komplexes auf der Ostseite ist nach wie vor undurchsichtig. Der Bedarf an Stellplätzen, die der Investor vorhalten muss, wird nach Aussage von Dezernent Thielen daran bemessen, was eben selbigem Investor zuzumuten ist. Es wird hier offensichtlich nicht am jetzigen oder zukünftigen Bedarf geplant. Die geplante Radstation mit 2200 Stellplätzen ist hierbei keine wirkliche Alternative. Die Stellplätze werden, wie auf der Westseite auch, nicht 24/7 zugänglich sein. Darüber hinaus ebenfalls kostenpflichtig und nicht automatisiert. Dieses Angebot kommt also nach wie vor für die allermeisten Radfahrenden die am Bahnhof parken wollen nicht in Frage. Es müssen, gerade an einem Hauptbahnhof der Fahrradstadt Münster, ausreichend freie und jederzeit zugängliche Stellplätze für Fahrräder vorhanden sein. Die Neuplanung der Ostseite sieht hier nach unseren Informationen 300 Stellplätze vor. Dies fängt den Bedarf nicht im geringsten auf.

Es wird deutlich, dass es für die Verkehrssituation, wohl bemerkt für alle Verkehrsträger, aber eben besonders für Radfahrende, immer noch kein sinnvolles Konzept, weder für den fließenden noch für den ruhenden Verkehr vorhanden ist.

Das Fahrradchaos wird sich mit dem Wegfall der knapp 1800 freien Stellplätze bei fehlenden Ausgleichsflächen weiter verschärfen. Eine schnelle Lösung für das Problem, vor allem während der Bauphase, kann das Einrichten von Stellflächen in den nahe gelegenen Parkhäusern sein. Diese Idee wurde von der Stadt auch selbst ins Spiel gebracht und wird wohl früher als später umgesetzt werden müssen. Für die politisch gewollte und beschlossene weitere Steigerung des Radverkehrsanteils und dem Zuwachs an multimodalen Pendlern muss hingegen mittel- bis langfristig ein sinnvolles und tragfähiges Konzept her. Festzuhalten bleibt, dass die Situation nach wie vor chaotisch ist und wahrscheinlich auch bleiben wird. Wir bleiben an der Sache dran und machen uns Gedanken dazu, wie eine sinnvolle Lösung aussehen kann. Mehr in Kürze dann hier im Blog.

Infos der Stadt Münster zur Neubebauung der Ostseite findet ihr hier.

Text: Simon Chrobak
Grafiken: Joachim Bick

 

2 Antworten auf „Fahrradparken am Hauptbahnhof in Münster – Eine Bestandsaufnahme“

  1. „Wer will findet Wege, wer nicht will, Ausreden.“
    Dieser Allgemeinplatz reicht aus, um die Haltung der Stadt zu beschreiben.

    3 Parkhäuser für PKW in unmittelbarer Nachbarschaft zumBahnhof, da sollte man doch meinen, dass es mit ein wenig politischem Willen möglich wäre, dort im Erdgeschoss Fahrradstellplätze einzurichten.

    Das etwa gleich große Utrecht baut zwischenzeitlich ein Fahrrad—Parkhaus mit 12000 Stellplätzen, Münster baut ab.

    Mut und politischer Wille…..

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