Die Verkehrswende ist möglich!

Wir möchten hier mit einigen Mythen aufräumen und euch Möglichkeiten zeigen, wie die Verkehrswende gelingen kann.

Verkehrswende, das heißt für uns, dass alle Menschen ihre Ziele auf eine Art erreichen, die nicht nur schnell und komfortabel ist, sondern auch noch dem Planeten und unseren Mitmenschen weniger Schaden zufügt. Hierzu müssen sich unsere Fortbewegungsmittel, unsere Infrastruktur und unsere Städte so verändern, dass wir die Übermotorisierung beenden und uns stattdessen für ein menschliches Maß entscheiden.

Nein, Autoverkehr ist kein Naturgesetz

Von Verkehr wird ja oft so gesprochen, als handele es sich um eine Flüssigkeit („Verkehrsfluss“). Daher kommt auch der Mythos der angeblichen Verkehrsverlagerung. Dazu gehört die Denkweise, dass insbesondere Auto-Verkehr immer da wäre, fast wie ein Naturgesetz. Da scheint dann auch erstmal die Annahme richtig zu sein, dass bei Straßensperrungen, der Reduktion von Fahrspuren oder Geschwindigkeitssenkungen, kurz bei jeder Form der Verkehrsberuhigung, der Verkehr ja irgendwo anders wieder auftauchen müsse.

Tatsächlich ist die Annahme der Verkehrsverlagerung aber falsch, denn Verkehr ist nunmal komplexer als Leitungswasser. Schließlich sind alle Verkehrsteilnehmenden auch Menschen mit eigenen Entscheidungen, die sich vielfach für andere Verkehrsmittel entscheiden oder unnötige Wege einsparen können. Davon sind wir und viele andere schon lange überzeugt und auch in Münster wird immer wieder festgestellt, dass das befürchtete Verkehrschaos am PARK(ing) Day nicht chaotischer als sonst war. Und was viele Verkehrsinitiativen schon lange betonen, wurde auch eindrucksvoll vom renommierten Deutschen Institut für Urbanistik empirisch bewiesen: Verkehrsberuhigungsmaßnahmen sorgen für Entlastung statt Verkehrskollaps. Verweisen möchten wir auf den nett aufbereiteten Artikel „Weniger bringt mehr“ sowie die Original-Studie.

Ja, die Verkehrswende erhöht soziale Gerechtigkeit

Auch von staatlichen Stellen, etwa vom Umweltbundesamt, gibt es etliche Publikationen zur Verkehrswende. Besonders spannend finden wir das Papier Verkehrswende für ALLE, in welchem aufgezeigt wird, wie eine sozial gerechte Verkehrswende möglich ist.

Nein, Anreize und „gute Angebote“ genügen nicht

Häufig erzählen Menschen, dass ihnen ja die guten Angebote vor der Tür fehlen – und das stimmt oft. Aber es stimmt auch nicht immer. Denn dort, wo gute Angebote geschaffen werden – zum Beispiel ein komfortabler Nahverkehr auf dem Land mit kurzer Taktung oder als On Demand-Lösung – leiden diese fast immer darunter, dass niemand auf die Idee kommt, sie zu nutzen. Gerade in Deutschland verfängt die falsche Erzählung, es müssten erstmal nur die guten Angebote her – und solange könne man ja nichts tun, was den Autoverkehr irgendwie einschränkt, selbst wenn es um illegale Praktiken geht. Manche, die gegen die Verkehrswende arbeiten, nutzen diese Erzählung auch als Scheinargument.

Die Lösung ist so einfach wie genial: wir müssen gleichzeitig Menschen aus den Autos drücken und in die besseren Lösungen ziehen, oder wie es eigentlich heißt Push & Pull – Maßnahmen vorantreiben.

Nein, es geht nicht um dein persönliches Mobilitätsverhalten

Wir wollen unsere Zeit nicht damit verschwenden, dich persönlich von einer besseren Mobilität in deinem Alltag zu überzeugen. Denn niemand hat so viel Ahnung von deinem Leben wie du selbst. Wir wollen, dass sich der Rahmen für alle verschiebt, so dass das Auto nicht mehr der Default Mode für Mobilität ist.

Also: wir werden dir keine Vorwürfe über dein Fahrtenbuch machen.

Aber: Wenn du Einfluss hast, nutze ihn. Und wenn du deinen Einfluss vergrößern willst, sprich‘ doch mal mit uns, egal wie du unterwegs bist.

Lasst uns bitte aufhören so zu tun, als gäbe es aktuelle eine freie Entscheidung darüber, wie man mobil ist. Und lasst uns dafür kämpfen, dass es in Zukunft anders wird.

Ja, in Münster muss sich noch sehr viel ändern

Wenn wir auf den Verkehrs in Münster schauen und die Ungerechtigkeiten, die negativen gesundheitlichen Folgen und die notwendigen Anpassungen angesichts der Klimakrise sehen, dann sehen wir auch, dass das, was in Münster heute ist und für die nahe Zukunft geplant wird, nicht ausreicht. Manches geht sogar in die falsche Richtung.

Wir haben deshalb Forderungen an die Stadt und Politik formuliert und freuen uns über alle, die diese unterstützen.

Sieh dir hier unsere Pressekonferenz zu unseren Forderungen für 2026 an. Dort beschreiben wir auch, was uns dazu motiviert hat.

Es gibt endlos viele gute Beispiele, wie es klappt

Mit freundlicher Erlaubnis des ADFC veröffentlichen wir hier einen Auszug aus dem ADFC-Projekt InnoRAD, um euch ein paar Beispiele zu zeigen, wie lebenswerter Stadtraum entstehen kann – denn der PARK(ing) Day zeigt für einen Tag, was auch dauerhaft Realität sein könnte:

„Deutschland braucht eine grundlegende Neugestaltung der öffentlichen Stadt- und Verkehrsräume, damit die Klima- und Verkehrswende gelingt. Mehr Raum für klimafreundliche, aktive Mobilität, lückenlose sichere Radwegenetze, Grün- und Freiflächen sowie attraktive Plätze für den Aufenthalt in Wohnquartieren. Dorf- und Stadtteilzentren sind Ausdruck lebenswerter Städte und Gemeinden. Immer mehr Kommunen entwickeln daher innovative Konzepte für lebenswerte Orte mit dem Menschen im Mittelpunkt durch weniger Autoverkehr und mehr Platz fürs Fahrrad! Ihr Ziel ist es, neben der Einsparung von Treibhausgasemissionen, den Anteil des Radverkehrs zu erhöhen und so für alle vor Ort die Lebens-, Aufenthaltsqualität und die Verkehrssicherheit zu verbessern.

50 Prozent aller Autofahrten in Deutschland sind kürzer als fünf Kilometer, 25 Prozent sogar kürzer als zwei Kilometer. Der Großteil dieser Fahrten kann also ohne Mobilitätseinschränkungen und Komfortverlust mit dem Fahrrad erledigt werden. Dieses Potenzial an nachhaltiger Mobilität muss und kann schnell erschlossen werden. Viele Kommunen machen sich daher auf den Weg und wollen den Radverkehr vor Ort zügig und effektiv fördern. Mit dem vorhandenen Angebot an Radverkehrsanlagen in Deutschland, das sich seit den 1990er-Jahren im Kern auf schmale abmarkierte Radfahr- und Schutzstreifen beschränkt, kann das jedoch nicht gelingen. Innovative Instrumente zur Modernisierung der Infrastruktur sind daher gefragt. Hier kann und sollte Deutschland von den vielfältigen Erfahrungen lernen, die junge Fahrradstädte in der ganzen Welt derzeit mit der Erprobung innovativer Infrastrukturlösungen machen. Denn Städte sind weit mehr als Transitzonen, sie sind Orte zum Leben. Sie müssen als Systeme betrachtet werden, die zur Verbesserung der Lebens- und Aufenthaltsqualität gestaltet werden. Gleichzeitig ist ein hoher Anteil von Fahrrädern am Verkehr eine wesentliche Voraussetzung für eine lebens-
werte und attraktive Stadt. Entsprechend müssen Städte so geplant, gebaut und umgestaltet werden, dass es allen Menschen möglich ist, unabhängig von deren Alter, Erfahrung oder Fähigkeiten, gefahrlos und stressfrei Rad zu fahren.“

„Das Fahrrad ist Teil der Lösung! Es muss in der innovativen Stadt- und Verkehrsplanung mehr berücksichtigt werden mit dem Ziel lebenswerte Städte für alle zu schaffen.“

Rebecca Peters, ADFC Bundesvorstand Verkehr

Das ist die Interessengemeinschaft Fahrradstadt Münster

Wir setzen uns dafür ein, dass Münster nicht einfach nur im Vergleich zu anderen deutschen Städten besser ist, sondern auch absolut Vorbild wird.

Wir haben unsere 9 Ideen für Münster veröffentlicht, haben eine tolle Übersicht über anstehende Veranstaltungen aus dem Mobilitätsbereich in Münster und freuen uns, wenn du dich mit uns vernetzt.