PARK(ing) Day 2017

Der erste PARK(ing) Day in Münster ist Geschichte. Und was sollen wir sagen: Wahnsinn! Nach einem tollen Tag, vielen Aktionen und der enormen, auch medialen, Resonanz können wir sagen: Der PARK(ing) Day 2017 war ein voller Erfolg, den wir unbedingt auch in den kommenden Jahren etablieren möchten!

Vorneweg: Ein großer Dank an dieser Stelle an alle Aktiven des Aktionsbündnisses, mit deren Hilfe wir innerhalb kürzester Zeit einen so wunderbaren Tag organisiert haben. Alle Hindernisse wurden überwunden und viele Menschen, in Münster und darüber hinaus, wurden auf das Thema aufmerksam gemacht!

An unserer Aktionsfläche am Hansaring haben wir, nach anfänglichen Schwierigkeiten durch falschparkende Autos, unser Wohnzimmer nach draußen verlegt. Mit Sofa, jeder Menge Blumen, Teppichen und Mobiliar haben wir in gemütlicher Atmosphäre den Freitag Nachmittag verbracht. Es wurde Schach und Cross Boccia gespielt, eine Slackline aufgebaut und Musik gehört. Highlight war natürlich der Auftritt von Glutamat.  Für 45min wurde der Parkplatz zur Bühne für eine Impro-Theatershow, die es so wohl noch nie gegeben hat. Zur Begeisterung von Publikum und Passanten! Warum nicht öfter so?

An den anderen Aktionsflächen von Stadtteilauto, ADFC und VCD gab es ein buntes Treiben mit Kickerduellen, Kunst, Kaffee und Kuchen. Es waren Bundestagskanditaten zu Besuch, die freien Lastenräder Lasse und Lotte wurden kräftig Probe gefahren und überall gab es viele Gespräche zum Thema Mobilität und Raumnutzung in der Stadt. Auch die mediale Resonanz war überwältigend. Neben den Lokalmedien wie WN, WDRWiedertäufer und Mnstr.TV, sind unsere Fotos via dpa Meldung überregional in der Berichterstattung des PARK(ing) Day aufgetaucht.

 

Wir freuen uns mit dem PARK(ing) Day in Münster Impulse für eine Debatte zu geben, die augenscheinlich viele Menschen beschäftigt: Wie wollen wir eigentlich in unserer Stadt leben? Diese Frage wird uns auch weiterhin in unserem Tun begleiten, denn wir sind nach wie vor (und nach diesem Tag umso mehr) der Meinung: urbaner Raum muss neu verteilt werden und wir müssen uns Gedanken über eine nachhaltige Mobilität in der Stadt machen. Ein wesentliches Mittel dafür ist der Radverkehr, für dessen Förderung wir uns einsetzen. Es liegt einiges vor uns, packen wir’s an! Auch schon vor dem nächsten PARK(ing) Day Münster, der am 21. September 2018 stattfinden wird.

An-Tritt – Die IG Fahrradstadt Münster startet

Am vergangenen Donnerstag hat unser erster öffentlicher Stammtisch stattgefunden. Und was sollen wir sagen: Wow! Wir waren viele!

Im Laufe der Vorbereitungen hatten wir gehofft, dass ein paar Leute kommen, am Ende wurde es dann tatsächlich eng mit den Sitzplätzen. Viele interessierte RadfahrerInnen von jung bis alt waren vor Ort, um sich über das Radfahren in Münster und unsere Idee einer Interessengemeinschaft auszutauschen.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wurde deutlich: Hier sitzen Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen, die sich auf verschiedenste Weise mit Radfahren beschäftigen. Außerdem wurde schnell klar, egal ob Alltagsradlerin, Fahrradhändler oder Kurier, egal ob seit ein paar Monaten erst zugezogen oder ein Leben lang in Münster, wir alle haben ein gemeinsames Ziel: Münster beim Thema Radverkehr nach vorne bringen!

Brainstorming

Um welche Punkte es konkret gehen soll und mit was sich die Interessengemeinschaft Fahrradstadt Münster beschäftigen kann, haben wir im Anschluss in einem interaktiven Brainstorming zusammengetragen. Alle Anwesenden waren dazu aufgerufen zu den Bereichen „Themen“, „Aktionen“, „Visionen“ und „Struktur“ ihre Ideen via Post-It an die vorbereiteten Wände zu pinnen. Diese wurden in einem weiteren Schritt sortiert, geordnet und zusammengefasst.

Austausch zu den Ergebnissen

Die konkreten Ergebnisse des Brainstormings werden wir demnächst aufarbeiten (viele Metapläne mit noch viel mehr Post-Its sind viel Arbeit) und an dieser Stelle veröffentlichen.

Erst einmal möchten wir uns allerdings bei allen Anwesenden für den konstruktiven, kreativen und ideenreichen Input bedanken! Verschiedene Herangehensweisen an unterschiedliche Themen ermöglichen, in Kombination mit der vielfältigen Expertise aller MitstreiterInnen, ein konstruktives und lösungsorientiertes Engagement. Und genau dafür wollen wir eine Plattform bieten!

Für Alle, die an diesem Termin verhindert waren oder erst jetzt auf uns aufmerksam geworden sind: Kommt gerne beim nächsten Treffen vorbei. Egal ob ihr nur zuhören und euch informieren wollt, ob ihr ein Problem oder eine Idee habt oder ob ihr aktiv mitgestalten möchtet. Wir sind offen für Alle!

Ein besonderer Dank gilt dem Team vom Herr Sonnenschein, für die hervorragende Bewirtung und die Gastfreundschaft!

Radfahrer trauern um Radfahrer

Am vergangenen Mittwoch (14.06.2017) starb in Sprakel ein 52-jähriger Radfahrer. In Gedenken an den Toten und als Mahnmal für Sicherheit im Straßenverkehr hat die IG Fahrradstadt Münster gestern ein Ghostbike nahe der Unfallstelle aufgestellt.
Weltweit gibt es weiß angestrichene Fahrräder (Ghostbikes) als Mahnmale für verunglückte Radfahrer im Straßenverkehr. Seit 2009 sind in Münster 16 Radfahrer gestorben. An zwei weiteren Unfallstellen, an der Ecke Ostmark/Dieckstraße (Mauritz) und am Merkureck (Hiltrup), stehen ebenfalls Ghostbikes.
Wir bedanken uns bei der Internationalen Fahrradwerkstatt der Flüchtlingshilfe Gievenbeck für die Fahrradspende.

In Gedanken sind wir bei den Angehörigen.

Demo von Kindern für weniger Autos

Folgende Rede hielt Joachim Bick heute bei der von Kindern organisierten Demonstration mit dem Motto „Lasst das Auto stehen, macht das Fahrrad startklar – Demo von Kindern für weniger Autos“:

Hallo Münster! Hallo liebe Kinder aus Münster und hallo liebe Eltern, Großeltern, Kinderlose!

Mein Name ist Joachim Bick und ich gehöre zu einer Gruppe von Menschen, die finden, dass Mobilität in Münster noch viel besser werden kann und muss. Wir nennen uns Interessengemeinschaft Fahrradstadt Münster und haben uns erst vergangenen Donnerstag, also vor drei Tagen, gegründet. Wir sind also in gewisser Weise, so wie ihr auch, jung.

Uns geht es darum, dass weniger Stau, Lärm und schlechte Luft die Menschen in unserer Stadt belasten. Aber wie geht das? Es ist eigentlich ganz einfach: Je besser es durch ein Verkehrsmittel erreicht werden kann, desto mehr sollte dieses Verkehrsmittel gefördert werden. Und wenn man sich die Arten anschaut, wie sich ein Mensch bewegen kann, dann ist schnell klar, welche Reihenfolge es dafür geben muss: zu aller erst Fußgänger, dann Radfahrer, dann öffentlicher Verkehr, dann Taxis, Carsharing und Fahrgemeinschaften und erst ganz zum Schluss private Autos.

Unsere Stadt ist aber nicht so gebaut. Die breiten, gut ausgebauten Fahrbahnen für Autos nehmen den meisten Raum ein. Kreuzungen sind so gebaut, dass vor allem Autos schnell durch sie hindurch kommen. Es gibt fast überall Parkplätze für Autos – und dieser Platz kann natürlich nur einmal genutzt werden. Wo ein Auto parkt, da gibt es keine Bank zum hinsetzen. Da gibt es keinen Baum oder Park. Da gibt es auch keinen Spielplatz und natürlich auch keine Möglichkeit, ein Rad sicher anzuschließen. Durch ein Auto kann man nicht hindurch gucken. Im Durchschnitt stehen private Autos 23 Stunden am Tag unbenutzt rum. Eine Bank, ein Baum, ein Park oder ein breiterer Radweg nützt viel mehr Menschen und das auch für längere Zeit!

Und in der Realität nehmen Autos sogar noch mehr Platz ein, als die Stadt ihnen eigentlich zugesteht. Sie parken überall: auf der Busspur, auf dem Radweg, auf dem Gehweg, auf Flächen, auf denen parken verboten ist, weil dann die Feuerwehr oder Müllabfuhr nicht mehr durch kommt. Und weil Autos so schwer sind und die Modelle auch leider immer schwerer werden, machen sie dabei die Gehwege oder Radwege auch immer ein bisschen kaputt. Das merken dann wieder Fußgänger und Radfahrer, wenn die Pflastersteine eben nicht mehr gerade liegen.

Aber was passiert denn dann mit denjenigen, die sich nicht an die Regeln halten? Gibt es da nicht Menschen, deren Job es ist, sich darum zu kümmern? Ja, die gibt es. Aber es gibt von ihnen zu wenige, wie die Stadt selbst eingesteht, und leider kümmern sie sich auch nicht immer. Und manchmal, da machen sie es sogar selbst nicht richtig.

Wir von der IG Fahrradstadt wollen, dass Radfahrende schnell, komfortabel und sicher an ihr Ziel kommen – und zwar egal, wie alt sie sind. Und dafür müssen vor allem auch Wege und Kreuzungen besser werden. Das bedeutet, dass sie breiter werden, einen besseren Untergrund bekommen und nicht mehr von Autos zugeparkt werden können. Und natürlich muss dieser Platz irgendwo her kommen. Für uns ist klar: die Häuser kann man nicht abreißen. Bäume müssen blieben, weil eine Stadt mit Pflanzen und Bäumen einfach schöner ist. Gehwege dürfen nicht noch schmaler werden. Und da bleibt dann nur der Platz, den aktuell die Autos belegen. Das heißt dann, dass Auto-Parkplätze entfernt werden müssen oder eine Spur für Autos entfernt werden muss. Es gibt keinen anderen Weg.

Auf der nördlichen Hammer Straße zum Beispiel mit ihren vier Spuren für fahrende und stehende Autos könnte man abwechselnd auf einer Seite die Parkplätze entfernen und hätte genug Platz für breitere, geschützte Radwege, auf denen sich zwei Personen unterhalten können und trotzdem keine dritte Person aufhalten, die sie überholen möchte. Manche sagen bei solchen Ideen, dass dann der Einzelhandel darunter leiden würde, aber das ist falsch. Es wurde weltweit vielfach von Wissenschaftlern untersucht und uns ist kein Beispiel bekannt, in dem der Umsatz eingebrochen ist. Im Gegenteil: Radfahrer kaufen zwar weniger ein, wenn sie da sind. Aber sie kommen viel öfter vorbei. Sie können einfacher mal eben abhalten und sie sehen auch viel besser, was in den Schaufenstern steht.

Liebe Kinder: Erwachsene sagen ja so oft, dass Kinder ihre Zukunft wären. Aber sie handeln nicht so. Sie bauen ihre Städte nicht von sich aus um. Glaubt ihnen bitte nicht alles, was sie euch erzählen: sie müssen mit dieser Welt nicht so lange auskommen, wie ihr es müsst.

Ihr müsst mit der bisherigen Inkonsequenz meiner Generation und der Generationen vor mir leben.

Es hilft Menschen in meinem Alter und älteren vielleicht, die Welt aus den Augen eines Kindes zu sehen. Wie sieht da so ein moderner SUV aus? Das ist eine brutal designte Maschine, aggressiv in der Erscheinung, mit bösen Augen. Deren vorderste Front schon höher ist, als ich groß bin. Die so breit ist, dass man noch nicht mal erahnen kann, wie lang sie noch ist. Die so schwer ist, dass auch der stärkste Mensch nicht gegen sie ankommt. Sie sind ein Grund, weshalb der Verbrauch von Benzin in Deutschland steigt und auch mehr Abgas in die Umwelt gepustet wird – obwohl die Motoren effizienter geworden sind. Sie müssten eigentlich viel teurer sein, aber dagegen wehrt sich die Bundesregierung, wie man zum Beispiel sehr schön in einer Ausgabe der Anstalt vom ZDF sehen kann.

Es gibt aber bei all dem, was falsch läuft und leider sogar oft aktuell schlimmer wird, auch viel Hoffnung. Und die seid ihr, liebe Kinder, aber die sind auch alle anderen, die heute hier sind. Wir alle können etwas tun. Wir können unsere Schulen dazu auffordern, dass sie etwas dagegen tun, dass so viele Kinder mit dem Auto gebracht werden. Wir können unseren Eltern sagen, dass wir das auch selbst nicht wollen. Als ich in eurem Alter war, da war es peinlich, wenn jemand mit dem Auto gebracht wird. Da haben die Kinder gefragt: „kannst du nicht laufen?“. Wir können bei der Critical Mass Münster am letzten Freitag im Monat mitfahren. Wir können dem Ordnungsamt immer wieder sagen, dass es sich um Falschparker kümmern soll, durch die wir alle gefährdet oder eingeschränkt werden. Wir können Politikern schreiben oder sie anrufen und auffordern, endlich etwas zu unternehmen. Und wir können selbst Rad fahren – und das geht eigentlich immer, egal wohin man weshalb möchte.
Kurz gesagt: jeder kann sich engagieren.

Dass Demonstrationen und Initiativen für Mobilität funktionieren können, ist übrigens historisch bewiesen. In Holland gibt es nicht so gute Radwege, weil die Regierung und die Städte da irgendwann Lust drauf hatten. Es waren Bürger der Stop de Kindermoord – Initiative, durch die Holland so wurde, wie es heute ist.

Das geht auch in Deutschland und vielleicht beginnt es ja neben dem Radentscheid in Berlin auch in Münster – und vielleicht beginnt es ja mit euch! Bleibt kritisch, sagt eure Meinung, lasst euch nicht einlullen und gebt erst auf, wenn ihr eure Ziele erreicht habt!

An-Tritt!

Wir fahren zum Bäcker, zur Arbeit, zum Sport. Wir werden morgens auf dem Weg zu Uni und Schule erst richtig wach. Wir fahren bei Regen mit Kapuze und bei Sonnenschein einen Umweg ins Café. Wir bringen unsere Kinder im Croozer zur Kita und kaufen mit dem Lastenrad ein.  Wir drehen eine Feierabendrunde auf dem Rennrad und radeln gemütlich mit Freunden zum Grillen.  Wir fahren Fixie, Faltrad und die gute alte Hollandleeze.

Wir sind die, die zu Münster gehören wie Aasee, Dom und Promenade.
Wir sind die, die Münster zur Fahrradstadt machen.

Deshalb schließen wir uns jetzt als Interessengemeinschaft zusammen. Unkompliziert, ungezwungen und offen für alle.
Du hast eine Idee, eine Vision, ein Problem? Komm vorbei, tausch dich mit Anderen aus und wir überlegen uns gemeinsam eine Lösung.

unser erster öffentlicher Stammtisch findet statt am 6. Juli 2017 im
Herr Sonnenschein (Königsstr. 43) um 19 Uhr.

Werde Teil der IG Fahrradstadt Münster und hilf mit, den Radverkehr in unserer Stadt nach vorne zu bringen. An-Tritt! Damit Münster sich dreht!